Dieser Blog begleitet die Studierenden des Seminars "Methoden der Geschlechterforschung" und soll vor allem dem Austausch von Informationen zur Lehrveranstaltung und Weitergabe von Webtipps dienen.
Mittwoch, April 22, 2009
Tipps für Ihre Seminararbeit
* Sind bei gemeinschaftlich verfassten Seminararbeiten die Anteile der jeweiligen AutorIn klar gekennzeichnet (z.B. durch Hinzufügen des jeweiligen Namens im Inhaltsverzeichnis)?
* Sind in der Seminararbeit alle im Handout genannten Punkte abgedeckt (insbesondere: Wurde ein weiterer Artikel beschrieben bzw. eine eigene Forschungsfrage mit der beschriebenen Methode konzipiert, ausgeführt und zumind. ansatzweise beantwortet?)?
* Sind alle Fragen 1. unter dem Aspekt der Geschlechterforschung und 2. passend zu Ihrer Methode behandelt worden (z.B. Forschungsfragen, weiterer Artikel)?
* Haben Sie geeignete Literatur verwendet (z.B. solche über qualitative Gütekrieterien für qualitative Forschungsmethoden und quantitative ausschließlich für quantitative Methoden)?
Und hier noch einige Tipps zum weiterlesen:
Von der Abteilung Weiterbildung der Uni Graz:http://www-gewi.uni-graz.at/weiterbildung/materialien/verfassen_von_seminararbeiten.pdf
Von Daniela Holzer, Uni Graz:http://www-gewi.uni-graz.at/weiterbildung/materialien/wissenschaftl_schreiben_leitfaden.pdf
Von Werner Stangl, Uni Linz:http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/PRAESENTATIONORD/ReferatKonz.html
Viel Spaß beim Schreiben!
Montag, April 06, 2009
ad "Güte der Forschungsmethode"
NEIN!
Zum einen sind die drei sog. klassischen Gütekriterien - vor allem die Objektivität - vielfach kritisiert worden (z.B. Sandra Harding 1994). Zum anderen geht es nicht nur um berechenbare Faktoren wenn wissenschaftliche Güte diskutiert wird. Bei der Bewertung wissenschaftlicher Arbeiten spielt es eine wesentliche Rolle, ob die verwendeten Methoden adäquat sind und ob die daraus gewonnenen Erkenntnisse bedeutsam sind (diese Bedeutsamkeit hängt u.a. damit zusammen wie qualitativ gut eine Methode ist UND im konkreten Fall ausgeführt wurde).
Deshalb sollte man sich einige Fragen stellen:
- Erhebt die Methode wirklich das, was in der Hypothese bzw. Forschungsfrage thematisiert wird?
- Ist die Methode so beschrieben, dass sie nachvollzogen werden kann?
- Welche Erkenntnisse sollen in welchem Rahmen gewonnen werden - kann die Methode das?
- etc.
Siehe dazu meinen Blogeintrag vom März 16, 2009:
- Güte qualitativer Forschung nach Ines Steinke (2003)
- Zusätzlicher Lesetipp:
http://www.ztg.tu-berlin.de/download/legewie/Dokumente/Vorlesung_12.pdf
Mittwoch, März 18, 2009
Hausübung
da wir bis zum nächsten Mal eine längere Pause haben, widmen Sie sich bitte in der Zwischenzeit dieser kleinen "Hausübung":
Lesen Sie diesen Artikel von Regine Gildemeister zur Geschlechterforschung:
http://www.ifz.tugraz.at/educate/Gildemeister.pdf
und posten Sie als Kommentar zu diesem Post:
1.) eine wesentliche Erkenntnis aus dem Artikel mit kurzer Begründung, warum diese Botschaft für Sie zentrale Bedeutung hat;
und achten Sie dabei darauf
2.) dass Ihre Erkenntnis nicht bereits in einem älteren Kommentar Ihrer Kolleginnen bereits veröffentlicht wurde.
D.h. nach dem lesen des Artikels und dem identifizieren der wichtigen Botschaften des Artikels, müssen Sie alle Kommentare Ihrer Kolleginnen lesen, bevor Sie Ihren eigenen Kommentar veröffentlichen!
Abgabedatum: 2.4.2009 (wobei: je früher Sie posten, umso leichter ist es eine "neue" zentrale Botschaft aus dem Artikel zu finden).
Bis zum nächsten Mal,
Anita Thaler
Dienstag, März 17, 2009
Mitbelegung
A. Thaler
Nachlese
beim letzten Mal habe ich Ihnen exemplarisch 2 Arten der Medienanalyse vorgestellt. Hier können Sie Genaueres nachlesen:
Thaler, Anita (2008). Geschlechterwissen in virtuellen Lernräumen. In. Jutta Pauschenwein & Maria Jandl. (Hrsg.) 10 Jahre E-Learning in Österreich. Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des „ZML – Innovative Lernszenarien“ an der FH JOANNEUM. In: http://www.fh-joanneum.at/aw/home/Forschung_und_Entwicklung/zml/Publikationen/Papers/~bjjp/zml_papers_/?lan=de [05.06.2008], S. 50-61.
Thaler, Anita (2008). Technikbilder in Jugendzeitschriften, Poster, präsentiert im Rahmen der „Langen Nacht der Forschung“, Universität Klagenfurt. In: http://www.motivation-project.com/files/documents/Poster-WP2_Thaler_DIN_A3a.pdf [12. 12. 2008]
Ich bin schon gespannt auf Ihre Ergebnisse aus der Tageszeitungsanalyse,
Anita Thaler
Montag, März 16, 2009
Güte qualitativer Forschung (nach Ines Steinke 2003)
1. Intersubjektive Nachvollziehbarkeit (zur Bewertung der Ergebnisse)
- Dokumentation des Forschungsprozesses
- Interpretationen in Gruppen
- Anwendung kodifizierter (regelgeleiteter) Verfahren
2. Indikation des Forschungsprozesses (Gegenstandangemessenheit)
- Indikation des qualitativen Vorgehens
- Indikation der Methodenwahl
- Indikation von Transkriptionsregeln
- Indikation der Samplingstrategie
- Übereinstimmung von Erhebungsmethoden und Auswertung
- Indikation der Bewertungskriterien
3. Empirische Verankerung (der Theoriebildung)
- Verwendung kodifizierter Methoden
- Hinreichende Textbelege (für entwickelte Theorie)
- Analytische Induktion (d.h. Falsifikationen erfordern Umdefinition des Phänomens bzw. Umformulierung der Hypothese)
- Prognosen können abgeleitet werden
- Kommunikative Validierung (Untersuchte Personen stimmen der abgeleiteten Theorie zu)
4. Limitation (Grenzen der Verallgemeinerbarkeit der Theorie)
- Fallkontrastierung (Fälle, die die Theorie maximal und minimal erfüllen, werden miteinander verglichen)
- Suche nach abweichenden, negativen und extremen Fällen
5. Kohärenz (Theorienkonsistenz)
- Prüfung ob die Theorie kohärent ist
- Prüfung ob Widersprüche in Daten bzw. Interpretationen bearbeitet wurden
6. Relevanz (pragmatischer Nutzen)
- Relevanz der Fragestellung
- Beitrag der entwickelten Theorie
7. Reflektierte Subjektivität (Rolle der / des Forschenden als Subjekt)
- Selbstbeobachtung begleitend zum Forschungsprozess
- Reflexion persönlicher Voraussetzungen
- Existenz einer Vertrauensbeziehung der Forschenden zu InformantInnen
- Reflexionen während des Feldeinstiegs
Quelle:
Steinke, Ines (2003). Gütekriterien qualitativer Forschung. In: Uwe Flick, Ernst von Kardoff & Ines Steinke (Hg.). Qualitative Forschung. Reinbeck bei Hamburg: rororo.
Zusätzlicher Lesetipp:
http://www.ztg.tu-berlin.de/download/legewie/Dokumente/Vorlesung_12.pdf
Sonntag, März 15, 2009
Ausgewählte Methoden-Literatur
Becker, Ruth & Kortendiek, Beate (Hrsg., 2004). Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Behnke, Cornelia & Meuser, Michael (1999). Geschlechterforschung und qualitative Methoden. Opladen: Leske + Budrich.
Buchen, Sylvia, Hefferich, Cornelia & Maier, Maja S. (Hrsg., 2004). Gender methodologisch. Empirische Forschung in der Informationsgesellschaft vor neuen Herausforderungen. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Flick, Uwe, von Kardoff, Ernst & Steinke, Ines (Hrsg., 2003). Qualitative Forschung. Reinbeck bei Hamburg: rororo.
Roth, Erwin & Holling, Heinz (Hrsg., 1999). Sozialwissenschaftliche Methoden. Lehr- und Handbuch für Forschung und Praxis. München, Wien: Oldenburg Verlag.
Montag, März 02, 2009
Geschlechterrepräsentationen in Medien
eines unserer ersten Themen wird die Representation von Geschlecht in Medien sein.
- Welche Medien gibt es?
- Welche davon könnten aus Geschlechterforschungsperspektive relevant sein?
- Was bedeutet es Gender als Analysekriterium zu verwenden?
- Was verseteht man unter/Wie funktioniert Medienanalyse?
- Ist Medienanalyse gleich Medienanalyse? Anders gefragt: Was ist das konkrete Ergebnis einer Medienanalyse?
Diese und andere Fragen sehen wir uns die nächsten Male genauer an, bevor wir zu weiteren interessanten Feldern und Methoden der Geschlechterforschung weitergehen. Vielleicht schauen Sie ja schon ein wenig im Internet oder in einer Bibliothek nach, ob Sie Antworten zu diesen Fragen finden - oder vielleicht haben Sie ja schon selbst konkrete empirische Arbeiten dazu gemacht? Bringen Sie alles mit: Gelesenes, Gefundenes, Erlebtes.
Wir sehen uns am Mittwoch, ich freue mich schon!
Anita Thaler
Freitag, April 25, 2008
Metaanalyse - Sekundäranalyse - Ethnographie
vorgestern sind einige Begrifflichkeiten aufgetaucht und nicht ganz eindeutig geklärt worden, das möchte ich hiermit nachholen.
Zu unserer Diskussion über Metaanalysen und Sekundäranalysen habe ich auf den Webseiten der Universität zu Köln -Humanwissenschaftliche Fakultät: Department Psychologie eine sehr hilfreiche Erklärung gefunden:
"Nach Glass (1976, S. 3) versteht man unter Metaanalyse eine Art Tertiäranalyse. „Primary
analysis is the original analysis of data in a research study. (…) Secondary analysis is the
re-analysis of data for the purpose of answering the original research question with better
statistical techniques, or answering new questions with old data. (…) Meta-analysis refers
to the analysis of analyses. I use it to refer to the statistical analysis of a large collection of
analysis results from individual studies for the purpose of integrating the findings." (Zitat aus: http://www.uni-koeln.de/phil-fak/psych/methoden/veranstaltungen/evaluation/methoden/Evaluation-Methoden-07-Metaanalyse.pdf [24. 4. 2008])
Somit ist die Metaanalyse eine Art Evaluationsverfahren bestehender Studien und Sekundäranalysen analysieren neue Sachverhalte mit bereits existierenden Daten (Stichwort: "desk research", vgl. Roth & Holling 1999 - Sozialwissenschaftliche Methoden.)
Und noch eine Begriffsklärung: Ethnographie, schreibt Lüders (in Flick et al. 2003 - Qualitative Forschung), kann man als "Beschreibungen von kleinen Lebenswelten verstehen" (S. 389). Und weiter: "Diese Studien untersuchen vor allem die Perspektiven der Teilnehmer, ihre Wissensbestände und -formen, ihre Interaktionen, Praktiken und Diskurse" (Lüders 2003, S. 390).
Und für künftige Referate bzw. Ihre Seminararbeiten bitte Begriffsklärungen mitliefern!
Anita Thaler
Mittwoch, April 09, 2008
Schönheitsideal, Medien und Geschlecht
Nina Degele (2004). „Schön mache ich mich für mich“ – Schönheitshandeln als erfolgsorientiertes Handeln. In: http://www.soziologie.uni-freiburg.de/degele/material/pub/schHandeln.pdf
Anita Thaler grüßt
Mittwoch, April 02, 2008
Dokumentarische Interpretation
Nohl, Arnd-Michael (2005). Dokumentarische Interpretation narrativer Interviews. In: bildungsforschung, Jahrgang 2, Ausgabe 2. In: http://www.bildungsforschung.org/bildungsforschung/Archiv/2005-02/interview?format=print [1. 4. 2008]
Mittwoch, März 26, 2008
Zusammenfassung von "Jo Reichertz: Zur Gültigkeit von Qualitativer Sozialforschung“ von Elisabeth Kunz
"Der Soziologe und Kommunikationsforscher Jo Reichertz beschäftigt sich in der Schrift „ Zur Gültigkeit von Qualitativer Sozialforschung“ mit der Frage nach der Ermittlung der Argumente und Verfahren, die in Äußerungen von WissenschaftlerInnen benutzt werden, um die Gültigkeit ihrer Aussagen gegenüber der (Fach-)Öffentlichkeit aufzuweisen. Das Ziel ist es, daraus symbolisches genauso wie natürliches oder besser gesagt vor allem ökonomisches Kapital zu schlagen.
Reichertz erwähnt in seinem Text vier Methoden zur Begründung von Gültigkeit (Validität), nämlich die Absicherung mit Hilfe des Hinweises auf eine Autorität, mit Hilfe des Gebrauchs der Vernunft, mit Hilfe der Inanspruchnahme persönlicher Hellsichtigkeit und mittels eigener empirischer Forschung.
Diese vier Verfahren sind Ergebnis der (Re-)konstruktion von Idealtypen.
Die erste Methode hat eine sehr lange Tradition und kann ihre religiöse Abstammung nicht verleugnen.
Sehr lange wurde die Gültigkeit von Aussagen mit Hilfe von Büchern bekannter Autoritäten, wie Aristoteles und andere griechische Autoren, geprüft.
Diese Methode ist auch heute noch in vielen Ebenen wissenschaftlicher Auseinandersetzung zu finden.
Auch die zweite Methode ist religiösen Ursprungs. Hier geht es um eine bestimmte Art des Philosophierens, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie den Gebrauch der Vernunft oder des Verstandes impliziert.
Wichtig ist hierbei, dass die Vernunft als göttliche Gabe und Werkzeug gedeutet wird.
An die dritte Methode wird die Genialität der WissenschaftlerInnen gebunden.
Letztlich wieder eine „Gabe Gottes“ wird die Validität gekoppelt an die Kreativität und an die Fähigkeit Neues zu entdecken.
Mit dem Aufkommen des Empirismus, die vierte Methode, kommt als Argument zur Begründung von Gültigkeit die Beobachtung auf. Diese gilt seither als sicherste und beste Methode zur Erlangen von gültigen Aussagen.
Menschen orientieren sich meistens an gesellschaftlichen Ordnungen, die sich permanent im Wandel befinden und die zudem „subkulturell fragmentiert“ sind.
Somit können diese Ordnungen nur lokal gelten und ändern sich stetig.
Reichertz spricht in Folge von der Notwendigkeit von Ungenauigkeiten.
Mit „Ungenauigkeiten“ kommt man in der Regel schneller voran, als mit absoluter Gewissheit, da wenn diese eintritt, man nicht mehr bereit ist weiter zu gehen, sondern genau auf diesem Punkt verharren wird. Ungenauigkeit wird somit nicht als Not, sondern aus Tugend gesehen.
Menschen neigen, laut dem Autor, stark zu qualitativen Induktionen.
Ein/e WissenschaftlerIn muss an folgenden Überzeugungen festhalten:
Fiktive Deutungen sind sehr wichtig. Diese sind Imaginationen von Behauptungen, die wenn sie zuträfen, Sinn machen.
Wissenschaftliche Urteile können mit Hilfe von „wahr/falsch“ bewertet werden.
Alle Urteile und Deutungsroutinen müssen einem systematischen Zweifel unterzogen werden. Dies ist der Kern von Forschung.
Subjekte handeln nicht zwanghaft nur auf Grund von äußeren Einflüssen.
Für die Sozialforschung ist wichtig, die Bedeutung nachzuzeichnen, die das Handeln für den Handelnden hatte.
Die Arbeit des/der ForscherIn besteht darin, bei der Beobachtung und Darstellung die in seiner wissenschaftlichen Kultur vorhandenen Deutungen von Welt zu verflüssigen.
Die hermeneutische Deutung von Daten ist als Versuch zu werten, eine singuläre und vielleicht auch neue Erfahrung an den bereits bestehenden Kosmos weiter auszuweiten.
Auf unterschiedliche Weise gehen reflexive WissenssoziologInnen mit der Perspektivengebundenheit und dem Gültigkeitsanspruch, dem sie nicht abschwören wollen oder können, um.
Die Wissenssoziologie kann nicht mehr problemlos von der Gültigkeit ihrer Aussagen sprechen. Dies ist ein Problem, für dessen Lösung drei unterschiedliche Großstrategien entwickelt wurden.
Die erste Strategie, „ Begründung durch persönliches Charisma“ genannt, bezieht sich darauf, dass die entscheidende Erkenntnis als genialer Akt zu sehen ist, der von keiner/m anderen vollbracht werden konnte.
Also wird dem Charisma der Person die Gültigkeit zu geschrieben.
Die zweite Strategie, bezeichnet als „ Begründung durch Verstand“, versucht die Ergebnisse mit Hilfe von spezifischen Verfahren zu beweisen.
Nicht mehr die Genialität der WissenschaftlerInnen, sondern die wissenschaftlich etablierten Methoden sollen die Gültigkeit hervorbringen.
Innerhalb dieser Strategie finden sich drei Varianten: die Rechtfertigung mit Hilfe der Methode der phänomenologischen Reduktion, die Rechtfertigung mit Hilfe des Verfahrens der Methoden-Triangulation und die Rechtfertigung mit Hilfe der Methode „datengeschützte Perspektivenkonstruktionen“.
Ziel der ersten Variante, die vor allem von Vordenkern der Wissenssoziologie verwendet wurde, ist es, den „sozialen Schleier“ wegzuziehen und damit die Dinge selbst sichtbar zu machen. Soll heißen, dass man versuchen soll, bei der Welterkenntnis möglichst Abstand von sozialer Einkleidung und historischen Kontexten zu nehmen, bzw. diese zu reduzieren.
Die zweite Variante versucht die Erkenntnis von der wissenschaftlichen Perspektivität produktiv zu nutzen: die qualitativen Verfahren werden mit quantitativen ergänzt, die Feldstudien mit Interviews und Fragebögen, die Interaktionsanalyse mit Experiment und Beobachtung.
Die letzte und scheinbar auch „realistischste“ Variante, bezieht sich auf die Sequenzanalyse.
Die dritte Strategie „Begründung durch den wissenschaftlichen Diskurs“ besteht darin, die Vielfältigkeit von Berufsgruppen zu nutzen.
Somit wird der so genannte „innerwissenschaftliche Diskurs“ wichtig.
Weder die eigene Genialität, noch die Verfahren bringen die Erkenntnis, sondern die Gruppe wird wichtig. Somit wird die Perspektivenvielfalt einer Professionsgruppe verwendet, um auf die Erkenntnis zu kommen.
Reicherzt schildert die aktuelle, scheinbar eher schlechte Situation der Methoden- und Methodologiedebatte und nennt einige Gründe, die seiner Meinung nach dazu beitragen, dass die Debatte nicht mehr so honoriert wird.
Zum einen nennt er das Problem, dass wissenschaftliche Schriften seit den sechziger Jahren nicht mehr nur hauptsächlich für FachkollegInnen publiziert werden, sondern auch für Laien. Somit muss in Folge auf langatmige und schwierige Erklärungen verzichtet werden. Das Gros der Bevölkerung, bzw. der LeserInnen interessiert sich für das „Was“, also für das Resultat der wissenschaftlichen Forschung und viel weniger für das „Wie“.
Als weiteren Punkt nennt der Autor die Medien und deren zunehmende Wichtigkeit.
Denn auch hier gilt es schnelle, kurze, neue und interessante Deutungen der Welt zu zeigen und man verzichtet auf lange Ausschweifungen und Erklärungen.
Von Interesse scheinen nur exotische Themen, außergewöhnliche Erkenntnisse und ein ästhetisch ansprechender Stil zu sein.
Weiters beschäftigt sich Reichertz mit der Wissenschaftsfinanzierung, die laut ihm, seit zwei Jahrzehnten auf ca. dem gleichen Level stehen geblieben ist.
Dadurch wird ein größerer Konkurrenzdruck zwischen den WissenschaftlerInnen aufgebaut, und für den Autor stellt sich mehr oder minder Hand in Hand die Frage nach neuen Beurteilungskriterien der wissenschaftlichen Forschung.
Der Autor befürchtet bei dieser Entwicklung, dass die Theoriebildung als auch die Methodenentwicklung ins Hintertreffen gelangen könnten und nur mehr das Anwenden von Methoden praktiziert wird.
Den Abschluss bildet die Überlegung, wie qualitative vor allem aber wissenssoziologisch informierte Sozialforschung überleben kann.
Er kommt zu dem Schluss, dass dies nur mit Hilfe eines Ausbaus der bereits vorhanden Grundlagentheorien, Methodologie und Methoden möglich ist.
Auch die Frage nach Gütesicherung wird immer wichtiger werden, soll aber immer mit dem Hintergrund betrachtet werden, dass alle Arten von Gütekriterien das Ergebnis von gesellschaftlichen Konstruktionsprozessen sind."
Donnerstag, März 13, 2008
Inhalt des Referates bzw. der Seminararbeit
Folgende Punkte müssen in jedem Referat bzw. in jeder Seminararbeit behandelt werden:
1. Darstellung des Inhalts des Artikels
2. Darstellung der Methode (Einsatzgebiet, Ablauf)
3. Kritische Analyse (Vor- und Nachteile der Methode allgemein und in bezug auf den Artikel-Inhalt) – ziehen Sie dazu unbedingt Methoden-Literatur hinzu.
4. Güte der Forschungsmethode (Wie kann bei dieser Methode gewährleistet werden, dass die Ergebnisse aussagekräftig sind bzw. die Forschung qualitativ durchgeführt wurde?)
5. Welchen Einfluss kann das Geschlecht der ForscherInnen bei Anwendung dieser Methode haben? Wie kann mit diesem Einfluss umgegangen werden (bezügl. Güte der Forschungsmethode)?
6. Entwicklung von eigenen Forschungsfragen, die mit dieser Forschungsmethode (zum Themenkreis Geschlechterforschung) bearbeitet werden können.
à 30-40 min.
7. Zwei Variationsmöglichkeiten:
a. Darstellung eines weiteren selbstgefundenen Artikels zu dieser Forschungsmethode (aus dem Themenfeld der Geschlechterforschung)oder
b. Beantwortung der selbst gestellten Forschungsfragen durch exemplarische Verwendung der referierten Forschungsmethode (Bsp. 1 Interview mit einer Person beim Thema „Interview“)
8. Übungsteil für das Referat (Überlegen Sie sich eine Möglichkeit, wie Sie ihre StudienkollegInnen aus dem Seminar mit ihrem Referatsthema aktivieren können.)
à 30-40 min.
Referatsthemen
Referatsthemen
1. Fokus Gruppen (Gruppendiskussionen) – 02.04.2008: Hagmann Philipp Bastian & Schmidt Paula
Straub, Ingo (2006). Medienerfahrungen und Männlichkeitskonstruktionen. Ergebnisse einer rekonstruktiven Jugendstudie. In: http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/k25_StraubIngo.pdf [27. 2. 2008]
· In dieser Studie wurde speziell das Phänomen Peer-Group herausgearbeitet, um geschlechtshomogen-männliche, jugendkulturelle Szenen im Bereich der Mediensozialisation zu interpretieren.
2. Fragebogenuntersuchung – 02.04.2008: Lohnegger Eva & Pölzl Bernhard
Barbara Buchegger & Christoph Kaindl (2000). n-gen. Nutzung neuer Medien durch Wiener Jugendliche. In: http://www.netbridge.at/dloads/ngenstudie.pdf [9. 2. 2008]
· Der Geschlechterfokus ist nicht ausdrücklich explizit, es wurden aber Geschlechterunterschiede miterhoben. In wie weit könnte man den „Faktor Geschlecht“ evtl. anders einbeziehen? Und inwiefern sind manche geschlechtsspezifischen Ergebnisse evtl. durch die Art der Fragen bzw. einen speziellen Themenfokus beeinflusst?
3. Beobachtung – 09.04.2008: Guntschnig Angela & Maier Katrin
Feil, Christine & Decker, Regina (2004). Erhebungsinstrumente zur Beobachtung des Umgangs von Kindern mit dem Internet. In: http://www.dji.de/bibs/116_1764_erhebungsinstrumente.pdf [9. 2. 2008]
4. Interview – 09.04.2008: Glatz Alexandra & Resch Romana
Dinzer, Sybille (2005). Gender and the City. Medienrezeption und Geschlecht. Eine qualitative Rezeptionsstudie der US-Serie Sex and the City. In: http://www.cultiv.net/cultranet/1166966863MA_Dinzer.pdf [27. 2. 2008]
· Da es sich bei der Grundlage dieses Referatsthemas um eine Diplomarbeit handelt, ist es wichtig sich auf die Methode zu konzentrieren, und den Inhalt nur überblicksmäßig bzw. mit einem bestimmten Schwerpunkt vorzustellen.
5. Komparatistische Analysen
5 a Zeitgeschichtlicher Vergleich – 23.04.2008: Kern Ronald & Kragl Christine
Spitzer, Brenda L., Henderson, Katherine A. & Zivian, Marilyn T. (1999). Gender Differences in Population Versus Media Body Sizes: A Comparison over Four Decades In: Sex Roles, Vol. 40/7, S. 545-565. Link: http://www.springerlink.com/content/w126r0485527507m
5 b Ländervergleich – 23.04.2008: Enzmann Magdalena & Kunz Elisabeth
Le Feuvre, Nicky (2005). Zur Feminisierung von Berufen in vergleichender Perspektive. In: Gilbert Achcar, Dagmar Simon, Mechthild Veil (Hg.). Arbeitsmarkt, Wohlfahrtsstaat, Familienpolitik und die Geschlechterfrage – deutsch-französische Konvergenzen und Divergenzen. Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Verfügbar über: http://skylla.wz-berlin.de/pdf/2005/p05-007.pdf#page=5 [18. 1. 2008]
6. Museumsanalyse – 30.04.2008: Lai Marie-Anne Caroline & Reinprecht Viktoria Carina
Muttenthaler, Roswitha & Wonisch, Regina (1999). "Das inszenierte Geschlecht" – Umformulierungen, Abwesenheiten und phantasmatisches Begehren in Museen und Ausstellungen In: Christina Lutter und Elisabeth Menasse-Wiesbauer (Hg.): Frauenforschung, feministische Forschung, Gender Studies: Entwicklungen und Perspektiven. Wien: Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft. Bd. 8, S.275-312.
- Buch in der UB entlehnbar
7. Biographieforschung – 30.04.2008: Huber Sandra & Stockinger Sabine Maria
Thon, Christine (2005). „Ich war nie benachteiligt. Und kam mir auch nie so vor.” Biographische Konstruktion von Geschlecht und Deutungskonzepte zum Geschlechterverhältnis In: Christine Thon, Daniela Rothe, Paul Mecheril, Bettina (Hg.). Qualitative Forschungsmethoden im erziehungswissenschaftlichen Studium. Bielefeld. Verfügbar über: http://bieson.ub.uni-bielefeld.de [25. 2. 2008]
Güte qualitativer Forschung
Zwei Leseempfehlungen dazu:
Reichertz, Jo (2000) .Zur Gültigkeit von Qualitativer Sozialforschung:
http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-00/2-00reichertz-d.pdf
Steinke, Ines (2003). Gütekriterien qualitativer Forschung. In: Uwe Flick, Ernst von Kardoff und Ines Steunke (Hg.). Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
Mittwoch, März 12, 2008
Basis-Methoden-Literatur-Liste
(Auswahl)
Allemann-Ghionda, Cristina (2004). Einführung in die Vergleichende Erziehungswissenschaft. Weinheim, Basel: Beltz.
Becker, Ruth & Kortendiek, Beate (Hrsg., 2004). Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Behnke, Cornelia & Meuser, Michael (1999). Geschlechterforschung und qualitative Methoden. Opladen: Leske + Budrich.
Buchen, Sylvia, Hefferich, Cornelia & Maier, Maja S. (Hrsg., 2004). Gender methodologisch. Empirische Forschung in der Informationsgesellschaft vor neuen Herausforderungen. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Flick, Uwe, von Kardoff, Ernst & Steinke, Ines (2003, Hg.). Qualitative Forschung. Reinbeck bei Hamburg: rororo.
Roth, Erwin & Holling, Heinz (Hrsg., 1999). Sozialwissenschaftliche Methoden. Lehr- und Handbuch für Forschung und Praxis. München, Wien: Oldenburg Verlag.
Montag, März 10, 2008
Draw a Scientist
falls Sie diesen Blogeintrag vor dem nächsten Seminar-Termin (12.3.) lesen, dann bringen Sie bitte ein Blatt Papier mit und erfüllen Sie darauf folgende kleine Aufgabe:
"Draw a scientist!"
- Da wir leider gestern keine Zeit dafür gehabt haben, gibt es dazu den folgenden Lesetipp:
Steinke, Jocelyn, Lapinski, Maria, Crocker, Nikki, Zietsman-Thomas, Aletta, Williams, Yaschica, Higdon, Stephanie & Kuchibhotla, Sarvani (2006). Assessing Media Influences on Middle School-Aged Children’s Perceptions of Women in Science and Engineering – Using the Draw-A-Scientist Test (DAST). In: Proceedings of the 2006 WEPAN Conference, Copyright 2006, WEPAN-Women in Engineering Programs and Advocates Network. Available at: http://www.x-cd.com/wepan06/pdfs/31.pdf [17. 2. 2008]
Mittwoch, März 05, 2008
Vollständiger Artikel von Regine Gildemeister
falls Sie in der Lehrveranstaltung eine unvolsltändige Kopie des zu lesenden Artikels bekommen haben, dann downloaden Sie sich den vollständigen bitte hier:
http://www.ifz.tugraz.at/educate/Gildemeister.pdf
Bis zum nächsten Mal,
Anita Thaler
1. Aufgabe: Zusammenfassung bis 11. 3. 2008
als Einstieg ins Thema lesen Sie bitte zunächst folgenden Artikel:
Gildemeister, Regine (2003). Geschlechterforschung (gender studies). In: Uwe Flick, Ernst von Kardoff & InesSteinke (Hg.). Qualitative Forschung. Reinbeck bei Hamburg: rororo, S. 213-223.
Fassen Sie das Wichtigste des Artikels kurz und prägnant zusammen (ca. 250 Wörter) und überlegen Sie sich 3 Diskussionsfragen dazu.
Senden Sie Ihre Zusammenfassung plus Diskussionsfragen bis spätestens 11. März 2008 an
thaler@ifz.tugraz.at
Bis zum nächsten Mal,
Anita Thaler
Ablauf Sommersemester 2008
Folgende Blocktermine jeweils Mi16.00 – 19.00 Uhr:
12. März: Einführung in die Methoden der Geschlechterforschung
2. April: Referate, Übungen, Diskussionen
9. April: Referate, Übungen, Diskussionen
23. April: Referate, Übungen, Diskussionen
30. April: Referate, Übungen, Diskussionen + Abgabetermin für schriftliche Seminararbeiten
21. Mai: "Peer Review"